
Ein Neuanfang: Ich baute meinen ersten Holzautomaton mit 62
Der heute 70-jährige Kim Booth aus Birmingham, England schreibt eine regelmäßige Kolumne “Get Moving” für das Automata-Magazin, in der er die Holzautomata vorstellt, die er im Keller in Berlin herstellt.

Als Schuljunge erschien ihm der Unterricht in Holzarbeit als eine Kuriosität unter den Fächern, die ihm sonst als Grundlage für eine Universitätskarriere und einen guten Job als Erwachsener verkauft wurden. Später war die Herstellung von Möbeln für die eigene Wohnung im Laufe der Jahre immer lohnend und etwas völlig anderes als die High-Tech-Welt der Elektronik.

Als der Ruhestand näher rückte, überlegte er, wie er diese Zeit am besten genießen könnte, ohne die Termine der Kunden einhalten zu müssen. Die erste Idee war die Bildhauerei in Stein. Zusammen mit einem guten Freund fand er so etwas wie einen „Männerschuppen“, in dem er die ersten Schritte in etwas völlig anderem machte. Sein ganzer Stolz war eine 20 kg schwere Ratte aus Portlandkalkstein, die noch immer in der Wohnung steht. An dieser Stelle meldete sich seine Frau zu Wort und wies sanft darauf hin, dass 20 kg schwere Meisterwerke ziemlich viel Platz beanspruchen und wir ohne einen Garten bald in Schwierigkeiten geraten würden.

Die Berliner Altbauwohnung hat zwar keinen Garten, dafür aber einen Keller, also kaufte Kim etwas Holz und verschwand für ein paar Wochen, um schließlich mit „Twelve Tweeters“ wieder ans Licht zu kommen. Dies erschien schließlich in einem Artikel des Guardian
(https://www.theguardian.com/technology/2016/dec/22/quadcopters-to-alzheimers-solutions-readers-best-raspberry-pi-projects) sowie in Instructables (https://www.instructables.com/Twelve-Bird-Clock/),

Wie es das Schicksal wollte, in den USA plante Marc Horowitz gerade zu dieser Zeit ein neues Magazin. Falk Keuten hat es auf seinem Blog erwähnt und Kim hat Kontakt aufgenommen. Marc fragte Kim, ob er daran interessiert wäre, einer neuen Enthusiastengemeinschaft beizutreten und für das neue Magazin Anleitungen zu schreiben. Seitdem hat Kim eine wilde Vielfalt von Holzautomata hergestellt und schickt etwa alle zwei Monate einen Artikel zur Veröffentlichung im Automata-Magazin (https://automatamagazine.com).

Um seine Holzarbeit zu verbessern, besuchte Kim den Meisterpuppenmacher Mirek Trejtnar bei Puppets in Prague. In einem Automata Workshop dort lernte er die tschechische Art des Schnitzens und ließ sich von Mirek und den anderen Schülern inspirieren. (https://www.puppetsinprague.eu)
Kurze Videos von den Automata (https://kimskabarett.home.blog) sorgen dafür, dass Freunde, egal wo auf der Welt sie sich befinden, immer einen Blick auf das neueste Kunstwerk werfen können.
Gelegentlich kommen auch Anfragen, ob die Automata zu kaufen sind. Nach einem Leben in kommerzieller Arbeit empfindet Kim es als Erleichterung, solche Anfragen abzulehnen und einfach den unbelasteten kreativen Prozess zu genießen. Gute Freunde bekommen gelegentlich kleine Geschenke, aber das ist wirklich alles nur zum Spaß! Ein paar nette Worte eines Freundes reichen schon aus, damit sich das Ganze lohnt.
Auch die Nachbarkinder haben schnell entdeckt, welch skurriles Spielzeug Kim im Keller herstellt. Ihre Besuche sind manchmal ein harter Test für die Brauchbarkeit von Kims Kreationen, aber sie sind immer ein Lichtblick am Tag. Kim und seine Frau freuen sich über den frischen Wind, den die kleinen Besucher in ihr Leben bringen.